Rheinisch-Bergischer Chorverband

Geschichte des RBCV




Historie des Rheinisch-Bergischen Chorverbandes

Chorgesang im Wandel der Zeiten

„Quelle des Rheinisch Bergischen Sängerkreises e.V.“

Vor nun fast 200 Jahren, im Jahre 1801, wurde der MGV Bergischer Sängerkreis Solingen-Meigen als erster Männerchor heutiger Prägung gegründet.

In den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten, bis zum heutigen Tag, wurden und werden immer wieder Chöre gegründet aus Freude am Singen und gleichen Interessen.In allen deutschen Landesteilen bildeten sich Chorverbände mit dem Ziel, vereint und gestärkt die Zusammenarbeit und die Verbreitung des Chorsingens in die Bevölkerung zu tragen. Auf dem 1. allgemeinen Deutschen Gesangsfest 1861 in Nürnberg, wurde die Bildung eines großen Bundes aller deutschen Sänger beschlossen. Diesem Ziel diente die Gründung des Rheinischen Sängerbundes am 06. Juli 1862 in Brühl auf Anregung des Bonner Männergesangsvereins. Bereits am 21. September 1862 wurde in Coburg, in der Residenz des chorbegeisterten Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha, der Deutsche Sängerbund aus der Taufe gehoben.

Der Rheinisch-Westfälische Raum entwickelte sich vorbildlich. Nach dem Zusammenschluss der Rheinischen Chöre, schlossen sich am 16. August 1875, auf der Grotenburg bei Detmold, die Chöre des Lippischen Raumes zum Lippischen Sängerbund und des Westfälischen Raumes, am 05. Juli 1908 in Dortmund, zum Westfälischen Sängerbund zusammen. Mit der Jahrhundertwende um 1900 wurde noch der West- deutsche Chorverband gegründet.

Die Chöre des bergischen Raumes schlossen sich nach und nach dem Rheinischen Sängerbund an. Nach vorliegenden Unterlange aus dieser Zeit, wurde auf schriftlichen Antrag der von Vinzenz von Zuccalmaglio 1845 gegründete MGV Liederkranz Bergisch Gladbach, am 07. November 1907 mit einstimmigen Beschluss in den Rheinischen Sängerbund aufgenommen. Ein Verzeichnis aus dem Jahre 1925 weist bereits als Mitglieder die Chöre: MGV Loope, MGV Eintracht Engelskirchen-Hardt, MGV Engelskirchen, MGV Liederkranz Immekeppel, MGV Schmitzhöhe, MGV Bensberg, GV Harmonie Bensberg, MGV Concordia Hoffnungsthal, Pfarr-Cäcilienchor Bensberg, MGV Liederkranz Bergisch Gladbach, wie vor auf. In den Jahren danach bis 1933 erweiterte sich der Mitgliederkreis der Rheinisch Bergischen Chöre mit dem MGV Concordia Nittum, MGV Liederkranz Dürscheid, MGV Concordia Forsbach, Männerquartett Herkenrath, QV Sangesfreunde Bergisch Gladbach, MGV Liederkranz Hoffnungsthal, MGV Lyra Bergisch Gladbach und MGV Bleifeld-Hoffnungsthal. Einige der vorgenannten Chöre sind entweder in Nachbarchöre aufgegangen oder haben ihre Existenz aus Nachwuchsmangel aufgeben müssen.

Durch die 1914 erfolgte Eingliederung von Mülheim in die Stadt Köln, veränderte sich auch der damalige Landkreis Mülheim. Die Neugliederung bzw. Umbenennung erfolgte am 28. September 1932 wurde die Verwaltung nach Bergisch Gladbach umgesiedelt und zur Kreisstadt erklärt. Der Kreis bestand fortan bis 1975 aus den Städten Porz, Bergisch - Gladbach, Wipperfürth, den Gemeinden Bensberg (später ab 1947 bis 1975 Stadt), Engelskirchen, Lindlar, Hohkeppel, Kürten, Odenthal, Overath und Rösrath.

Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 veränderte sich auch die Kulturlandschaft im gesamten Deutschland. Mit Bildung der Reichsmusikkammer, die Reichsfachschaft für Chorwesen und Volksmusik und des gesamten Kulturbereiches, erfolgte eine Neuordnung mit Gebietsveränderungen. Die Bergischen Chöre wurden der neugebildeten Bezirksgruppe 10 – Bergisch Gladbach zugeordnet. Bezirksgruppenführer wurde August Kierspel aus Bergisch Gladbach.

Bereits 1934 wurde August Kierspel von der Reichsmusikkammer beauftragt, die Chöre des damaligen Kreisgebietes zu einem neuen Sängerkreis zusammenzuführen. Mit Erfolg konnte August Kierspel schon 1935 den neuen Rheinisch Bergischen Sängerkreis vorstellen und dessen gewählten 1. Kreisvorsitzender er bis 1955 wurde.

Hier ist besondere Veranlassung, wegen missverständlicher Kulturbeiträge im Kölner Stadt-Anzeiger vom 17.04.99 und 20.04.99 darauf hinzuweisen, dass der Deutsche Sängerbund Dank seiner getreuen Sachwalter sich gegen die Eingliederung des DSB in die Reichsmusikkammer und einer Umformung 1937 zu einem NS-Sängerbund als auch 1941 der Eingliederung in die Kdf- (Kraft durch Freude) Kammer, unter der Leitung von Robert Ley, mit Erfolg erwehren konnte. Tatsächlich hat der DSB als einzige Großorganisation seine Selbstständigkeit bewahren können.
(Auszug aus einer Herausgabe des DSB-Präsidenten Anton Pesch/ 1950).

Auch die damaligen Vorsitzenden des Rheinisch Bergischen Sängerkreises und Bezirksgruppen haben ihren Anteil an der Verhinderung des totalen Zugriffes dieser 12 Jahre Gewaltherrschaft, wie dieses eine Schreiben vom 06. Dezember 1947, des damaligen Vorsitzenden der Bezirksgruppe Bensberg-Sülztal, des Bürgermeisters der Stadt Bensberg und stellvertretender Landrat und späteren Sängerkreisvorsitzenden von 1955 – 1971, Jean Werheit belegt.

Der katastrophale 2. Weltkrieg verlangte einen totalen Neuanfang. Die erschwerte Neuzulassung durch die Verordnungen der Besatzungsmächte, die teilweise zerstörten Strukturen im Vereins- und Verbandswesens, der Verlust vieler Aktiven und die Gebietsveränderungen, verlangten im Sinne einer demokratischen Gesellschafts- neuordnung befähigte Menschen, die der neuen Zeit wieder Hoffnung geben konnten.

Die Gebietsreformen führten mit der Zusammenlegung von Teilen der früheren Rheinprovinz, der Provinz Westfalen und dem früheren Freistaat Lippe, zur Neubildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Diesem Beispiel folgten der Rheinische Sängerbund und der Westdeutsche Chorverband und gründeten am 08. März 1947 den Sängerbund Nordrhein-Westfalen e.V., dem sich kurze Zeit später der Lippische Sängerbund eingliederte. Gebietsmäßig deckt sich der SB NRW mit dem Land Nordrhein-Westfalen.

Am 08. Januar 1948 wurde der Sängerbund Nordrhein-Westfalen in das Vereinsregister beim Amtsgericht Düsseldorf eingetragen. 1. Präsident war Oberstudiendirektor Anton Pesch.

Nach erfolgreichem Wiederaufbau folgte 1975 die hoffentlich letzte Gebietsreform des Landes Nordrhein-Westfalen. Erstreckte sich der Kreis in seiner Längsausdehnung bisher von West nach Ost, so wurde diese durch die Gebietsverluste und Ausgliederung der Städte Porz, Wipperfürth, der Gemeinden Engelskirchen, Hohkeppel, Lindlar, und der Eingliederung der Städte Burscheid, Leichlingen und Wermelskirchen in entgegengesetzte Richtung – von Süd nach Nord – verändert.
Die Sängerkreise dieses Einzugsgebietes bewahrten sich ihre gewachsenen Verbin- dungen. Die hierdurch bedingten Chorverluste konnten zwischenzeitlich ausgeglichen werden.

War das 1. Jahrhundert in seiner Chorentwicklung durch die Männerchordomäne gekennzeichnet, so zeichnete sich das 2. Jahrhundert, besonders nach dem 2. Weltkrieg, mit einer ansteigenden Belebung des Chorlebens durch die Frauen und die Jugend aus. Mit Stand vom Oktober 1999 – singen im Deutschen Sängerbund – 354.000 Männer ab 27 Jahre, 230.000 Frauen ab 27 Jahre, 8.500 männliche Jugendliche in Erwachsenen Chören, 9.700 weibliche Jugendliche in Erwachsenen Chören, 24.000 männliche Jugendliche in Kinder/ Jugendliche, 7.500 weibliche Kinder u. Jugendliche in Kinder-und Jugendchören und nochmals 6.250 Mitglieder in Tanz- und Instrumentalgruppen. Insgesamt hat der Deutsche Sängerbund einen aktiven Mitglieder- bestand von 702.950, Fördernde Mitglieder 1.100.000, und einen Gesamtmitglieder- bestand von 1.802.950. Die aktiven Mitglieder sind in 8.854 Männerchöre, 2.267 Frauenchöre, 7.470 Gemischtchöre, 2.694 Kinder-/ Jugendchöre, 431 Tanz- und Instrumentalgruppen – insgesamt in 21.716 Chören und Gruppen – und die Gesamtmitglieder in 17.481 Vereinen – organisiert. Hinzu kommen 450 Mitgliedchöre aus den Vereinigten Staaten (USA), Südamerika (Argentinien, Brasilien, Chile), Afrika und Australien. Diese überseeischen Mitgliedchöre und Vereine kennzeichnen noch sehr stark die Kulturpflege der deutschstämmigen Bevölkerung. Der DSB ist der Welt größte Amateur-Chorverband. Der Deutsche Sängerbund bekennt sich zu der im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland festgelegten demokratischen Staats- und Lebensform; er ist politisch und konfessionell neutral. Seine Tätigkeit ist gemeinnützig im Sinne der Gemeinnützigkeitsverordnung vom 24. Dezember 1953 (BGBL, S. 1592) und den nachfolgenden Bestimmungen.

Der Deutsche Sängerbund gliedert sich in 25 Landesverbände, hiervon der Sängerbund Nordrhein-Westfalen mit 3464 Chören und Gruppen, mit insgesamt 269 168 Mitgliedern den größten Anteil hat. Kooperativ gehört der Sängerbund Nordrhein-Westfalen – 1. der „Landesvereinigung der vokalen und instrumentalen Laienmusikverbände Nordrhein-Westfalen“ (AG Laienmusik), und 2. dem Landesmusikrat des Landes Nordrhein-Westfalen e.V. an. Der Rheinisch-Bergische Sängerkreis hat z. Zt. 44 Mitgliedchöre und einen Gesamtmitgliederanteil von 4000.

Die Chorgeschichte erlebte bis zum heutigen Tag große Bundes- und Landeschorfeste, bedeutende Konzertereignisse, Chorbegegnungen aus dem In- und Ausland. Das letzte Bundeschorfest fand 1992 in Köln mit großer internationaler Beteiligung statt. Erstmals nahmen nach der Wiedervereinigung die neuen Bundesländer mit großem Chor- und Besucheranteil an diesem unvergesslichen Chorereignis teil.
Der Chorgesang stand immer im Dienste der Kulturpflege und ihrer Fortentwicklung, der Völkerverständigung, Erhaltung heimatlicher Geschichte und Brauchtum. Seine kultur- und sozialpolitische Bedeutung wird täglich mit der Begegnung der Menschen unter Beweis gestellt. Mit dem Eintritt in ein neues Jahrhundert und Jahrtausend, den rasenden technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit, der sich hieraus möglichen und abzeichnenden Entwicklung negativer Beziehungen der Menschen zueinander, der Verstärkung des Gewaltpotentiales und Ehrverlustes, erfordert eine Neuorientierung und Hinwendung zu wieder mehr Gemeinschaftssinn und Kulturempfinden.

Hier hat und kann auch für die Zukunft das Singen miteinander, in der Familie, im Kindergarten, in der Schule, in einem Chor, einen wirksamen Beitrag leisten und die Herzen der Menschen für das „gute“ öffnen. Möge es uns gelingen, Nacheiferer zu gewinnen um den schönen Chorgesang in all seinen Facetten zu erhalten und auszubauen.
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